Ist Tattoofarbe vegan?

Viele moderne Tattoofarben sind vegan, aber nicht alle. Kritisch sind Knochenkohle in schwarzen Pigmenten, Schellack und Gelatine als Bindemittel sowie Glycerin unklarer Herkunft. Häufiger scheitert es allerdings nicht an der Tinte, sondern an Pflegeprodukten und Zubehör.

Matrix der Bestandteile von Tattoofarbe: Knochenkohle, Schellack, Gelatine und Ochsengalle sind tierisch, Glycerin kann tierisch sein, Carbon Black und die wässrigen Trägerstoffe sind es nicht.
Vier Bestandteile sind eindeutig tierisch, einer bleibt offen. Alle stehen seit 2022 auf der Verpackung des Tätowiermittels.

Die Antwort in Kürze

  • Tattoofarbe besteht aus Pigment und Trägerflüssigkeit. Beide können tierische Bestandteile enthalten – müssen es aber nicht.
  • Historisch stammte schwarzes Pigment aus Knochenkohle. Heute wird fast durchgehend synthetischer Industrieruß (Carbon Black) verwendet.
  • Als Bindemittel können Schellack aus Lackschildläusen oder Gelatine dienen.
  • Ochsengalle wird als Netzmittel eingesetzt, um Pigmente gleichmäßig zu verteilen.
  • Glycerin hält die Tinte flüssig und kann pflanzlich oder tierisch sein.
  • Seit dem 4. Januar 2022 gilt eine EU-weite Beschränkung für Tätowiermittel. Sie schreibt unter anderem eine Auflistung der Bestandteile auf der Verpackung vor.
  • Damit lässt sich die Zusammensetzung erstmals überprüfen – vorausgesetzt, man bittet im Studio um einen Blick auf das Fläschchen.
  • Der häufigste Stolperstein ist nicht die Farbe, sondern die Nachsorge: Wund- und Heilsalben enthalten oft Lanolin aus Schafwolle.

Woraus Tattoofarbe besteht

Eine Tätowierfarbe hat zwei Hauptbestandteile. Das Pigment ist der Farbkörper, der dauerhaft in der Haut bleibt. Die Trägerflüssigkeit transportiert ihn, hält ihn in Schwebe, wirkt keimhemmend und verdunstet oder wird vom Körper abgebaut.

Typische Trägerstoffe sind Wasser, Ethanol, Isopropylalkohol, Glycerin und Hamamelis-Extrakt. Bei den Pigmenten dominieren heute synthetische organische Verbindungen und Metalloxide. Beides kommt ohne tierische Rohstoffe aus – die Frage ist nur, ob der jeweilige Hersteller darauf achtet.

Die tierischen Bestandteile im Einzelnen

Stoff Herkunft Wozu er dient
Knochenkohle (Bone Black) verkohlte Tierknochen schwarzes Pigment
Schellack Ausscheidung der Lackschildlaus Bindemittel, Glanz
Gelatine Haut und Knochen von Schwein und Rind Bindemittel
Ochsengalle Gallenflüssigkeit von Rindern Netzmittel, verteilt Pigmente
Glycerin pflanzlich oder tierisch hält die Tinte flüssig

Von diesen fünf ist Knochenkohle der bekannteste und zugleich der seltenste geworden. Industrieruß liefert ein tieferes, beständigeres Schwarz und ist in der Herstellung günstiger und gleichmäßiger. Wer heute eine schwarze Tinte kauft, bekommt in aller Regel Carbon Black.

Schellack und Gelatine finden sich eher in älteren Rezepturen und in Billigware ohne europäische Zulassung. Ochsengalle ist ein Relikt aus der Zeit, in der Tätowierfarben handwerklich angerührt wurden.

Glycerin als offener Punkt

Glycerin ist bei Tätowiermitteln derselbe Grenzfall wie in der Kosmetik. Es entsteht bei der Fettspaltung und kann aus Pflanzenölen ebenso stammen wie aus tierischen Fetten. Die Bezeichnung auf der Verpackung lautet in beiden Fällen schlicht Glycerin.

In der Praxis überwiegt in Europa pflanzliches Glycerin deutlich, weil es als Nebenprodukt der Biodieselherstellung in großen Mengen anfällt. Eine Garantie ist das nicht. Hersteller, die ihre Serien als vegan ausweisen, geben die Herkunft in der Regel an. Wie der Stoff hergestellt wird, steht bei Glycerin.

Pigmente nach Farbe

Die Wahrscheinlichkeit, auf einen tierischen Bestandteil zu stoßen, hängt auch von der Farbe ab:

  • Schwarz und Grau beruhen heute auf Industrieruß. Historisch war es Knochenkohle – der Grund, warum ausgerechnet bei Schwarz die Frage am häufigsten gestellt wird.
  • Weiß ist meist Titandioxid, ein Mineral.
  • Rot stammt aus synthetischen organischen Pigmenten oder Eisenoxid. Der Insektenfarbstoff Karmin, der bei Lebensmitteln und Kosmetik eine Rolle spielt, ist für Tätowiermittel ungeeignet, weil er nicht lichtecht genug ist. Zur Einordnung von Farbstoffen allgemein gibt es eine Übersicht bei Lebensmittelfarbe.
  • Blau und Grün waren am stärksten von der Neuregelung betroffen, weil zwei verbreitete Pigmente verboten wurden. Die Nachfolgerezepturen sind synthetisch.

Was sich seit 2022 geändert hat

Mit der Verordnung (EU) 2020/2081 gilt seit dem 4. Januar 2022 eine Beschränkung für Tätowiermittel und Permanent-Make-up im Rahmen der REACH-Verordnung. Sie begrenzt mehrere tausend chemische Stoffe und legt Höchstgehalte fest. Seit dem 4. Januar 2023 sind zusätzlich die Pigmente Blau 15:3 und Grün 7 verboten.

Für die vegane Frage ist ein Nebeneffekt entscheidend: Die Regelung verlangt eine Kennzeichnung mit Auflistung der enthaltenen Bestandteile. Damit steht auf jedem in der EU verkauften Fläschchen, was drin ist – und das lässt sich lesen wie eine INCI-Liste.

Der zweite Effekt ist indirekt. Weil die Branche ihre Rezepturen ohnehin überarbeiten musste, sind viele Hersteller dabei auf durchgehend synthetische Formulierungen umgestiegen und werben inzwischen ausdrücklich damit.

Das eigentliche Problem liegt daneben

Wer nur auf die Tinte schaut, übersieht den größeren Teil. Rund um das Stechen kommen mehrere Produkte zum Einsatz, die häufiger tierische Bestandteile enthalten als die Farbe selbst:

  • Wund- und Heilsalben für die Nachsorge enthalten oft Lanolin beziehungsweise Wollwachs – gewonnen aus dem Fett der Schafwolle. Das betrifft mehrere der gängigen Standardpräparate. Dass Wolle nicht als vegan gilt, überträgt sich damit auf die Salbe.
  • Vaseline selbst ist ein Erdölprodukt und unproblematisch, wird aber oft durch Salben mit Wollwachsanteil ersetzt.
  • Transferpapier für die Schablone kann Lanolin enthalten.
  • Rasierschaum zum Vorbereiten der Stelle enthält teils Stearate oder Glycerin unklarer Herkunft.
  • Seife zum Reinigen während und nach der Sitzung – die Einordnung dazu steht bei Seife.

Aus diesem Grund ist „veganes Tattoo“ mehr als eine Frage nach der Farbe. Studios, die damit werben, haben in der Regel die gesamte Kette umgestellt – von der Schablone bis zur Heilsalbe.

Was du im Studio fragst

  1. „Arbeitet ihr mit veganen Farben?“ Viele Studios führen ohnehin nur solche und beantworten das sofort.
  2. „Kann ich einen Blick auf die Verpackung werfen?“ Seit 2022 stehen die Bestandteile darauf. Achte auf Bone Black, Shellac, Gelatin und Ox Gall.
  3. „Welche Salbe empfehlt ihr für die Nachsorge?“ Hier fällt die Entscheidung häufiger als bei der Tinte.
  4. „Ist das Transferpapier lanolinfrei?“ Eine Detailfrage, die zeigt, wie genau ein Studio hinsieht.

Für die Nachsorge lässt sich unabhängig vom Studio vorsorgen: Panthenol-Salben ohne Wollwachs und rein pflanzliche Wund-und-Heil-Produkte sind in Apotheken erhältlich. Ein Blick in die INCI-Liste auf Lanolin, Adeps Lanae oder Wollwachs genügt.

Zwei Fragen, die oft vermischt werden

Bei Tätowiermitteln laufen zwei Diskussionen nebeneinander, die nichts miteinander zu tun haben. Die eine ist die nach tierischen Bestandteilen, die andere die nach der gesundheitlichen Unbedenklichkeit.

Die zweite ist der Grund für die Neuregelung von 2022: Es ging um krebserregende Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und Konservierungsstoffe – nicht um die Herkunft der Rohstoffe. Eine vegane Tinte ist deshalb nicht automatisch die verträglichere, und eine konventionelle nicht die riskantere.

Wer beides berücksichtigen will, braucht zwei getrennte Informationen: die Kennzeichnung nach der REACH-Beschränkung für die Sicherheit und die Herstellerangabe für die Herkunft. Diese Trennung gilt in vielen Bereichen – bei Kosmetik ebenso wie bei Lebensmitteln.

Häufige Fragen

Ist schwarze Tattoofarbe aus Knochenkohle?

Heute in aller Regel nicht mehr. Moderne schwarze Tinten verwenden Industrieruß, in der Kennzeichnung als Carbon Black oder Pigment Black 7 geführt. Er ist synthetisch, liefert ein beständigeres Schwarz und ist günstiger. Knochenkohle findet sich allenfalls in sehr alten Rezepturen oder in Ware ohne europäische Zulassung.

Woran erkenne ich eine vegane Tinte?

An der Kennzeichnung auf dem Fläschchen, die seit Januar 2022 verpflichtend ist, oder an der Angabe des Herstellers. Kritische Begriffe sind Bone Black, Shellac, Gelatin, Ox Gall und ein Glycerin ohne Herkunftsangabe. Viele Hersteller kennzeichnen ihre Serien inzwischen ausdrücklich als vegan.

Ist Permanent-Make-up dasselbe Thema?

Ja, rechtlich sogar ausdrücklich: Die REACH-Beschränkung erfasst Tätowiermittel und Permanent-Make-up gemeinsam. Auch hier gelten Kennzeichnungspflicht und Stoffverbote, und dieselben tierischen Bestandteile kommen infrage.

Sind Henna-Tattoos vegan?

Reines Henna ist ein Pflanzenfarbstoff und damit unproblematisch. Vorsicht ist bei sogenanntem „schwarzem Henna“ geboten – es enthält häufig p-Phenylendiamin, das schwere allergische Reaktionen auslösen kann. Das ist ein gesundheitliches Problem, kein ethisches.

Färbt sich die Tinte mit der Zeit?

Tätowierungen verblassen und verlaufen, weil Pigmentpartikel abgebaut und abtransportiert werden. Mit der Herkunft der Bestandteile hat das nichts zu tun – vegane und konventionelle Tinten altern gleich. Entscheidend sind Pigmentqualität, Stichtiefe, Sonneneinstrahlung und Hautpflege.

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