Ist Red Bull vegan?

Ja, Red Bull gilt als vegan. Keine der deklarierten Zutaten stammt vom Tier. Das hartnäckigste Gerücht betrifft Taurin – es wird seit Jahrzehnten synthetisch hergestellt und hat mit Stieren nichts zu tun.

Matrix der Red-Bull-Zutaten: Taurin, Koffein, Glucuronolacton, B-Vitamine, Zucker sowie Aromen und Farbstoffe sind alle nicht tierischer Herkunft; Taurin entsteht durch chemische Synthese, Vitamin B12 durch Bakterienkulturen.
Keine der deklarierten Zutaten stammt vom Tier. Taurin, der Auslöser des bekanntesten Gerüchts, wird chemisch synthetisiert.

Die Antwort in Kürze

  • Red Bull enthält nach dem Zutatenverzeichnis keinen tierischen Bestandteil.
  • Taurin stammt nicht aus Stierhoden. Es wird chemisch synthetisiert und ist damit pflanzlich weder noch tierisch – es ist ein Laborprodukt.
  • Der Name führt in die Irre: Taurin wurde 1827 erstmals aus Ochsengalle isoliert, daher „taurus“. Für die Herstellung spielt das seit Langem keine Rolle mehr.
  • Auch Glucuronolacton wird synthetisch hergestellt, obwohl es im Körper natürlich vorkommt.
  • Die B-Vitamine werden synthetisiert oder – im Fall von Vitamin B12 – aus Bakterienkulturen gewonnen. Bakterien sind keine Tiere.
  • Gefärbt wird mit Zuckerkulör, nicht mit dem Insektenfarbstoff Karmin.
  • Red Bull Sugarfree und Zero ersetzen Zucker durch Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose. Alle drei sind synthetisch.
  • Bei den aromatisierten Editions lohnt trotzdem der Blick aufs Etikett, weil dort zusätzliche Farbstoffe zum Einsatz kommen können.

Der Mythos vom Stier

Kaum ein Lebensmittelgerücht hält sich so gut. Es gibt zwei Varianten: Taurin stamme aus Stierhoden, oder – in der drastischeren Fassung – aus Stiersperma. Beides ist falsch, und beides lässt sich auf zwei nachvollziehbare Ursachen zurückführen.

Die erste ist der Name. Taurin wurde 1827 von zwei Wissenschaftlern aus der Galle eines Ochsen isoliert und nach dem lateinischen taurus benannt. Der Stoff heißt seitdem so, obwohl er längst anders gewonnen wird.

Die zweite ist die Marke selbst. Ein Getränk mit zwei Stieren im Logo, das „Flügel verleiht“, lädt zu genau dieser Geschichte ein. Der Mythos ist damit älter als das Internet und wird bis heute weitergegeben.

Tatsächlich wäre die Gewinnung aus Tieren wirtschaftlich unsinnig. Für die weltweit verbrauchten Mengen bräuchte es eine Tierproduktion in einer Größenordnung, die es nicht gibt – während die chemische Synthese den Stoff in gleichbleibender Reinheit und zu geringen Kosten liefert.

Was Taurin ist

Taurin ist eine organische Säure, genauer eine Aminosulfonsäure. Der menschliche Körper stellt sie selbst her, vor allem aus den Aminosäuren Cystein und Methionin. Taurin ist an der Bildung von Gallensäuren beteiligt, wirkt an Nervenzellen und Herzmuskel mit und findet sich in hoher Konzentration in Muskulatur, Netzhaut und Gehirn.

In der Ernährung kommt Taurin natürlicherweise vor allem in Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten vor. Pflanzliche Lebensmittel enthalten kaum welches. Das führt gelegentlich zu der Annahme, Taurin sei ein tierischer Stoff – das ist eine Verwechslung von natürlichem Vorkommen und industrieller Herkunft. Zucker kommt auch in Früchten vor und wird trotzdem aus Rüben hergestellt.

Für Menschen, die sich vegan ernähren, ist die Eigenproduktion des Körpers in aller Regel ausreichend. Ein Mangel ist beim Menschen sehr selten beschrieben; bei Katzen dagegen ist Taurin essenziell und muss über das Futter zugeführt werden.

Wie Taurin hergestellt wird

Industriell entsteht Taurin auf rein chemischem Weg. Verbreitet ist die Reaktion von Ethylenoxid mit Natriumbisulfit zu Isethionsäure, die anschließend mit Ammoniak umgesetzt wird. Eine zweite Route geht von Aziridin und schwefliger Säure aus.

Beide Verfahren nutzen ausschließlich mineralische und petrochemische Ausgangsstoffe. Ein tierischer Rohstoff kommt an keiner Stelle vor. Das synthetisch hergestellte Taurin ist chemisch identisch mit dem körpereigenen. Ausführlicher steht das bei Taurin.

Die Zutaten im Einzelnen

Zutat Funktion Herkunft
Wasser, Kohlensäure Grundlage unstrittig
Saccharose und Glucose Süßung, Energie Zuckerrübe
Säuerungsmittel Citronensäure Geschmack, Haltbarkeit Fermentation mit Schimmelpilzen
Säureregulator Natriumcitrat stabilisiert den pH-Wert mineralisch
Taurin funktionelle Zutat chemische Synthese
Koffein anregende Wirkung Synthese oder Pflanzenextrakt
Niacin, Pantothensäure, B6, B12 Vitaminzusatz Synthese, B12 aus Bakterien
Aromen und Farbstoffe Geschmack, Farbe pflanzlich oder synthetisch

Bemerkenswert ist der Punkt Vitamin B12. In vielen angereicherten Lebensmitteln ist B12 der kritische Stoff, weil er in der Natur fast nur in tierischen Produkten vorkommt. Industriell wird er jedoch durch Fermentation mit Bakterien gewonnen – deshalb sind B12-Präparate und angereicherte Getränke praktisch immer vegan. Das ist derselbe Grund, aus dem vegane B12-Nahrungsergänzung überhaupt möglich ist.

Die Sorten

  • Red Bull Energy Drink ist die Standardvariante mit Zucker.
  • Sugarfree und Zero ersetzen Zucker durch Aspartam, Acesulfam-K und teils Sucralose. Alle drei Süßungsmittel werden chemisch hergestellt.
  • Die Editions – etwa mit Wassermelone, Tropenfrucht oder Limette – bringen zusätzliche Aromen und Farbstoffe mit. Kritisch wäre hier allein ein roter Farbstoff aus Schildläusen; verwendet werden in der Regel Pflanzenkonzentrate. Der Blick auf Lebensmittelfarbe hilft beim Einordnen.

Weil Rezepturen länderweise festgelegt werden und Editions regelmäßig wechseln, gilt hier dieselbe Regel wie bei Coca-Cola: Die Angaben auf der in Deutschland gekauften Dose sind maßgeblich.

Warum das Etikett hier ausreicht

Bei Wein und Bier führt die Zutatenliste in die Irre, weil Klärmittel als technische Hilfsstoffe nicht deklariert werden müssen. Bei einem Energy Drink ist das anders: Er wird nicht vergoren, nicht geklärt und nicht filtriert. Alles, was drin ist, ist eine Zutat – und Zutaten sind kennzeichnungspflichtig.

Daraus folgt eine ungewöhnlich klare Regel für diese Produktgruppe: Wenn im Zutatenverzeichnis nichts Tierisches steht, ist auch nichts Tierisches beteiligt gewesen. Diese Sicherheit hat man bei den wenigsten Lebensmitteln.

Andere Energy Drinks

Die Zusammensetzung ähnelt sich stark. Taurin, Koffein, Glucuronolacton, B-Vitamine und Süßung finden sich bei praktisch allen Marken, und keiner dieser Stoffe ist tierischer Herkunft. Unterschiede entstehen an drei Stellen:

  • Farbstoffe. Rote und rosafarbene Sorten können Karmin (E 120) enthalten. Es steht als „Karmin“ oder „Echtes Karmin“ im Zutatenverzeichnis.
  • Milchbestandteile. Energy-Kaffee-Mischungen und cremige Varianten enthalten Molkenerzeugnisse oder Laktose.
  • Honig und Gelee royale. Vereinzelt in Getränken, die mit „natürlicher Energie“ werben.

Wie es bei der zweitgrößten Marke aussieht, steht bei Monster. Für Cola-Mischgetränke gilt die Einordnung bei Spezi.

Was die Zutatenfrage nicht abdeckt

Ob ein Produkt vegan ist, wird über die Zusammensetzung entschieden. Zwei Punkte bleiben davon unberührt und werden trotzdem oft mitdiskutiert.

Der erste sind Tierversuche. Funktionelle Zutaten wie Taurin und Glucuronolacton wurden im Rahmen der Sicherheitsbewertung an Tieren getestet, wie es das Zulassungsrecht für neuartige Stoffe verlangt. Das betrifft die Stoffgeschichte, nicht die aktuelle Zusammensetzung – wer diesen Maßstab anlegt, kommt allerdings zu einer anderen Bewertung.

Der zweite ist die gesundheitliche Seite. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist seit Jahren auf Risiken durch hohen Konsum von Energy Drinks hin, besonders in Verbindung mit Alkohol oder Sport. Vegan und unbedenklich sind zwei verschiedene Fragen.

Häufige Fragen

Ist Taurin in Red Bull tierisch?

Nein. Das eingesetzte Taurin wird chemisch synthetisiert, aus mineralischen und petrochemischen Ausgangsstoffen. Es ist mit dem körpereigenen Taurin chemisch identisch, hat aber keinen tierischen Ursprung. Der Name geht auf die Erstisolierung aus Ochsengalle im Jahr 1827 zurück.

Ist Red Bull Sugarfree vegan?

Ja. Sugarfree unterscheidet sich von der Standardvariante nur in der Süßung: Statt Zucker kommen Aspartam und Acesulfam-K zum Einsatz, beide synthetisch hergestellt. Die übrigen Zutaten bleiben gleich, tierische Bestandteile sind nicht enthalten.

Enthält Red Bull Gelatine?

Nein. Gelatine dient als Gelier- oder Klärmittel und hat in einem kohlensäurehaltigen Getränk keine Funktion. Sie taucht in keinem Zutatenverzeichnis von Red Bull auf. Das Gerücht stammt aus der Verwechslung mit Wein und Bier, wo Gelatine zum Klären eingesetzt werden kann.

Ist Glucuronolacton tierisch?

Nein. Glucuronolacton leitet sich von Glucose ab und entsteht im menschlichen Körper beim Abbau von Zucker. Für Getränke wird es synthetisch hergestellt. Auch hier gilt: natürliches Vorkommen im Körper und industrielle Herkunft sind zwei verschiedene Dinge.

Woran erkenne ich einen nicht-veganen Energy Drink?

Am Zutatenverzeichnis. Achte auf Karmin oder E 120 bei roten Sorten, auf Molke und Laktose bei cremigen Varianten sowie auf Honig und Gelee royale. Fehlen diese Angaben, ist das Getränk nach Zutaten vegan – anders als bei Eistee mit Vitaminzusatz gibt es hier keine versteckten Hilfsstoffe.

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